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Nun sind die Bail-outs also auch in Deutschland angekommen. In der vergangenen Woche wurde die Commerzbank teilverstaatlicht. Für die Bank sicher ein sehr gutes Geschäft, denn so ist die vorher offensichtlich nicht finanzierbare Übernahme der Dresdner Bank erst möglich geworden. Nun ja und ob sich die Allianz wirklich an der Dresdner hätte verschlucken könne, wie Robert von Heusinger in der Frankfurter Rundschau orakelt, stelle ich jetzt mal dahin.

Nun ist die Bankenrettung im großen Stil also für die Commerzbank ein voller Erfolg (Vorstandschef Martin Blessing wird sich bestimmt schnell an die halbe Millione Jahresgehalt und die zwei neuen Aufsichtsräte aus dem Bundesfinanzministerium gewöhnen).

Aber was ist mit dem Staat?
Nun betrachten wir mal die Ebene Politik: Hier herrscht große Freude, denn endlich konnte der Staat mal wieder richtig zeigen, dass er was kann und die Politiker doch zu was nütze sind und vorallem die großartig angekündigten Rettunsgpläne wirklich notwendig sind. Euckenserbe weist an dieser Stelle noch daraufhin, dass ein neuer „Global Player” neben der mit der Postbank fusionierten „Deutschen Bank” entsteht, der vor allen Dingen ein einziges Kriterium erfüllt: Er ist „too big to fail”.
Schauen wir dagegen auf die Ebene Bürger: Die 18 Milliarden Euro gehen direkt in die Staatsschulden und müssen natürlich auch verzinst werden. Das ist in diesen Zeiten zwar nichts besonderes – derzeit wird ja fast nur noch in mehrstelligen Milliardenbeträgen gerechnet – dennoch ist die planlose Schuldenmacherei einfach grauenvoll. Das eingesetzte Geld erscheint auf dem derzeitigen Krisenniveau sinnlos verbraten, denn wirklich ernst war die Lage nicht. Man hätte die Übernahme ja auch einfach absagen können, dann wären beide Banken noch unabhängig und könnten jeweils zeigen, was sie drauf haben oder eben auch nicht. Durch den Rettungsschirm wäre auch eine Insolvenz einer der Banken ohne Probleme abgelaufen, aber nein. Eine milliardenschwere Rettung ist halt doch effektvoller und zeigt, dass der Kapitalismus mal wieder die Hilfe von Vater Staat braucht. Das Scheitern im großen Stil wird dagegen immer gerne vermieden…aber was sind schon 10.000 Arbeitsplätze bei einer Bank gegen die Insolvenz von 10.000 kleinen Betrieben, die jeweils 2 bis 3 Leute an die Luft setzen? Richtig, alles nicht so medienwirksam…

Aber ich schweife ab: Ein Ausstiegsszenario gibt es derzeit nicht, also haben wir jetzt die x-te Staatsbank und dass es tatsächlich so ist, machen ja schon die Ankündigungen der Politik klar: “Wir sorgen dafür, dass wieder Kredite vergeben werden…” Als wenn die KfW, IKB oder die diversen Landesbanken das nicht ebenso gut könnten. Aber selbst wenn der Staat aussteigen wollte, müsste sich der Kurs der Commerzbank-Aktie vervielfachen, damit der Staat null auf null rauskommt. Aber davon sind wir Lichtjahre entfernt.

Kommen wir nun auf den eigentlichen Knackpunkt des ganzen: Die Ebene der Commerzbank-Aktionäre! Die dürften sich besonders freuen, denn soeben ist ihr Anteil an der Bank um 20 Prozent gesunken. Das sieht man ja schon am derzeitigen Kursverfall: Am Freitagabend kostete die Commerzbank-Aktie noch 4,90 Euro (Aldi hätte das Pricing nicht besser hingekriegt), am Montag hatte der Kurs noch bei 6,55 Euro gelegen…

Aktionäre leiden derzeit aber nicht nur unter einem Kursverfall von mehr als 20 Prozent. Nein, auch in Zukunft werden sie nicht mehr so an den Geschäften der Bank profitieren. Durch die um 25 Prozent erhöhte Aktienanzahl sinkt der Gewinn je Aktie und damit auch die Dividende und somit erst Recht das Potential auf steigende Kurse. Wer jetzt von Enteignung spricht: Sozialisierung trifft es eher, denn die Bank gehört uns allen jetzt ja zu einem Viertel. Dabei wollte ich eigentlich garkeine Commerzbank-Aktien kaufen… Aber damit sind nicht nur direkte Commerzbank-Aktionäre betroffen, nein auch Inhaber von Lebens- und Rentenversicherungen dürfen sich freuen, denn als DAX-Wert gehört die Commerzbank-Aktie ja in viele Versicherungsdepot. Damit tragen nicht nur alle Bürger, sondern auch die Altaktionäre die Lasten, die eine großmannsüchtige Bankführung und eine nicht minder geltungssüchtige Politikerkaste anrichten… Die Altersvorsorge wird damit immer mehr zum unkalkulierbaren Glücksspiel. Denn wenn der Staat einfach so seinen Arm nach vorgeblich strauchelnden Unternehmen ausstreckt ist der kleine Aktionär der Dumme. Man darf auf den Deutschlandsfonds gespannt sein…

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