Derzeit boomen Sie – die Werbeattacken der Banken rund um das Thema Abgeltungsteuer. Was werden da nicht für schwarze Wolken an den strahlend blauen Himmel gemalt. Mit wenigen Umschichtungen könne man die Abgeltungsteuer umgehen… Steuerfrei bis zur Rente….tolle Aussichten, wenn man nur jetzt noch einsteigt… und schon scheint die Sonne wieder.
Ich finde das immer sehr rührend, wie viele Banken angeblich die Eierlegende Wollmilchsau entdeckt haben und die dann noch an ihre Kunden weitergeben wollen…nun worum gehts genau: Auf welche Art und Weise man langfristig wirklich am besten fährt, lässt sich leider nur in der Nachschau beurteilen. Warum? Nun die meisten Banken empfehlen ja so genannte Dachfonds als Allheilmittel gegen die Abgeltungsteuer. Da könne man jetzt sein Geld reinstecken und in 20 Jahren sei das Geld dann vermehrt worden und der Fiskus sieht keinen Cent. Nun das ist auch so richtig.
Die Frage ist aber, um wie viel sich das Geld bis dahin tatsächlich vermehrt hat. Die Dachfonds sind mit die undurchsichtigsten Konstruktionen, die man sich vorstellen kann. Das was für den Otto-Normalanleger bei einem Aktienfonds oder Rentenfonds allein undurchsichtig erscheint, wird bei Dachfonds noch einmal um ein Vielfaches undurchsichtiger. Besonders die Gebührenstruktur stellt hier ein Blatt mit sieben Siegeln dar. In den Beispielrechnungen werden die vielfältigen Gebühren immer nur am Rande erwähnt, wenn überhaupt. Stattdessen wird der An- und Verkauf von Fondsanteilen über einige Jahre (mit der gleichen Wertentwicklung) innerhalb udn außerhalb eines Dachfonds verglichen. Berücksichtigt man nun die Abgeltungsteuer, die beim Dachfonds nicht anfällt (jetzt gekauft und mind. ein Jahr gehalten), dann steht der Dachfonds immer besser da, als die Kombination von verschiedenen Fondsanlagen mit jeweiligem Abgeltungsteuerabzug. Nur sind die Renditen da wirklich vergleichbar???
Jeder Aktienfonds kostet die jährliche Managementgebühr. Die meisten Leute sehen die aber nicht, weil die direkt aus dem Wertzuwachs abgeht. Das ist bei Dachfonds ähnlich, nur hier verdienen zum einen die Dachfondsmanager und dann die Manager der Fonds im Dachfonds, also das ganze zweimal oder nochmehr, wenn der Dachfonds wiederum Dachfondsanteile kauft. Und über Transaktiongebühren wurde da noch garnicht gesprochen. Man sieht, es verdient immer jemand, nur selten der Fondsbesitzer. Also kann es durchaus von Vorteil sein, direkt Fonds zu kaufen und auf die dann hoffentlich exzellente Rendite immer seine 25% (bzw. 26,38% inkl. Soli und ohne Kirchensteuer) Abgeltungsteuer zu bezahlen, anstatt einmal einen Dachfonds zu kaufen und keine Steuer auf eine schlechte oder mittelmäßige Rendite zu zahlen.
Ein weiterer Punkt ist die bessere Flexibilität: Angenommen man hätte vor etwa einem Jahr sein Geld in einen Dachfonds gesteckt und könnte bis in 10 Jahren wegen der Steuervermeidung nicht dran. Derjenige, der sein Geld direkt managed, hat das Geld vielleicht von Aktien- und Rentenfonds abgezogen und auf ein Festgeldkonto gelegt. Er kriegt da zwar nur 5-6% p.a., aber die Anlagesumme ist auf jeden Fall noch da (nach Steuer und Inflation), im Gegensatz zu horenden Kursverlusten an den Börsen wo zwar keine Steuer wirkt, aber der Wert gesunken ist und auch die Inflation ihren Teil wegfrisst. Der schlaue Anleger kann nun nach dem hoffentlich baldigen Ende wieder in Aktienfonds investieren und kann so mit der gesamten Anlagesumme von den steigenden Kursen profitieren.
Ich weiß das ist nicht einfach, aber wieviel Zeit verbringt man denn damit das passende Auto auszusuchen oder die neue Digicam? Ein bisschen Zeit und Arbeit in die Altervorsorge oder das Gesparte investiert und schon hat man mehr Freude, denn nach einiger Zeit ist definitiv die bessere Digicam drin, von der höheren Rente mal ganz zu schweigen!
Fazit:
Man sollte den Banken nicht alles glauben. Immer nachrechnen und die Gebühren berücksichtigen. Und wirklich nach allen Gebühren fragen, auch den versteckten. Manchmal die die bessere Anlage mit Steuerabzug vorteilhafter, als die angepriesene Abgeltungsteuer-Anlage ohne Steuer! Das muss man einfach mal durchrechnen, sonst glaubt man das nicht. Dachfonds sind per se nicht schlecht, aber eben teuer und undurchsichtig. Das muss man wissen, wenn man sich wirklich für einen entscheidet. Wenn man die Geldanlage selber managed, muss man vielleicht ein- bis zweimal im Monat ran, aber das lohnt sich. Außerdem macht das auch Spass. Im übrigen nicht nur Männern, sondern auch Frauen!